Freitag, 22. Dezember 2017

Perfekt unperfekter Lehrgang

Nachdem wir im Juli, am Ende des ersten Lehrganges mit Christina Wagner in Hatzenbühl (bei uns, yeeah), noch einen Termin für den Dezember diesen Jahres finden konnten, war ich super glücklich, super aufgeregt und total dabei. Ein zweites Mal Christina bei uns - und ich muss nicht mal bis nächstes Jahr warten!
Also habe ich mich zeitnah an die Planung und Organisation gemacht.
Halle? Check. Teilnehmer? Check. Zuschauer? Check. Fotograf? Check. Unterbringung der Gastpferde? Check. Verpflegung der Menschen? Check. Zeitplan? Check.
Check, check, check.

Kurz zusammengefasst: ein paar Teilnehmer, Zuschauer und ein Fotograf haben sich mit Christina zusammengefunden, um die Akademische Reitkunst bzw. das Horsemanship zu feiern und die eigenen Fähigkeiten/das eigene Wissen aufzupolieren.
Und das ist auch so ziemlich alles, was ich euch dazu erzählen kann, denn die Wahrheit ist: der Tag war für mich unglaublich stressig und meine Aufmerksamkeit hat gerade mal für meine eigenen Einheiten gereicht. Ach und ich habe immer noch nicht gelernt, wie ich mich dreiteilen kann, ergo konnte ich leider zwei der Teilnehmer  gar nicht ansehen.
(Das ist als reiner Zuschauer tatsächlich viel angenehmer.)

Cut. Hier kommt ein kleiner Schwenk.
Ich bin Perfektionist. Wirklich. Und es gibt hier so zwei Arten: die, die einfach nach Perfektion streben, und die, die Unperfektes schlecht aushalten können. Das eine ist ziemlich positiv, das andere eher negativ, denn hier sind ziemlich fiese Gedankenmuster am Werk (gerade bei Misserfolgen).
Und ja, ich halte mich nicht nur selbst für einen Perfektionisten.
Auf die Frage eines Dozenten, wer sich selbst als Perfektionist bezeichnen würde, wurde meine Hand von meiner Sitznachbarin schon in die Luft  gehoben, ehe ich die Frage überhaupt verarbeitet hatte. (Upps. Sorry, Mitmenschen.)
Was heißt das?
Nunja, derzeit versuche ich tatsächlich, alles perfekt zu machen.
Ich versuche ein perfekter Student zu sein und meine Klausuren im Februar sehr gut vorzubereiten. Ich möchte eine perfekte Hilfskraft sein - für gleich zwei Jobs.
Ich versuche perfekt gesunde Gewohnheiten in meinen Tag einzubauen (Essen, Sport, Mental).
Und natürlich versuche ich auch mit Tivo alles perfekt und richtig zu machen.
Tja,  und jetzt gehöre ich leider aber auch noch zu der ungesunden Sorte Perfektionisten, denn ich kann Unperfektes schlecht aushalten und könnte auch auf Anhieb viele Dinge aufzählen, die ich allein in den letzten Wochen "falsch" bzw. nicht perfekt (genug) gemacht habe. Und das fuchst mich.
Ich, Tivoli und Christina © LP
Und noch was: es zieht einem so ziemlich alle Energie. Deshalb ist es auch hier, auf dem Blog, sehr still geworden, denn ich habe einfach so gut wie nie die Zeit, die Muße und die Inspiration gefunden, Texte zu verfassen. Und das, obwohl mich genug derzeit beschäftigt. Hachja.
Und was bedeutete all das für den Lehrgang?
Der Lehrgangstag (ein Samstag) war eigentlich ein richtiger "Knuddel-dein-Pferd-und-genieße-den-Moment"-Tag. Und kein "Mach-drei-Einheiten-am-Kurs"-Tag.
(Nochmal upps. Sorry, Tivo.)

Aber nein, der Lehrgang war keine Vollkatastrophe. Tivo ist toll und (ich möchte mir ja eigentlich nicht auf die Schulter klopfen, aber es ist mein Verdienst…) für sein Alter gut erzogen. Die Einheiten (zum Schwanken, zum Zirkeln, zum Kruppherein und zum Longieren) waren definitiv keine Glanzleistung und entsprachen keiner perfekten Harmonie, aber sie waren echt, sie waren authentisch, und genau richtig für Tivo und mich.
Der Lehrgang, den ich vorher mühevoll (und größtenteils alleine) geplant habe, hat Dank den zahlreichen Helfern reibungslos funktioniert. (Danke, danke, und nochmals danke! <3)
Aus dem Entschuldigen bin ich dennoch nicht heraus gekommen…

Ich, die unglaublich gerne die Metaebene des Lebens nach Lektionen durchforstet, konnte hier die ein oder andere sehr wohl gebrauchte Lektion erkennen:
  • Unperfektes ist so schön und darf (sehr) geliebt werden.
  • Unperfektes kann so viel schaffen und erreichen (und darf dabei seine eigene Zeitleiste verfolgen).
  • Gemeinsam wuppt man die Dinger :-)

Für mich war es offenbar richtig notwendig, vor Augen geführt zu bekommen, wie viel gerade mein kleines unperfektes Pferdchen, dem es bei dem aktuellen Wind und Wetter wirklich nicht besonders gut geht, für mich leistet - und sei es "nur", gelassen am Putzplatz zu bleiben. 
Ich musste gesagt bekommen, dass alles gut ist, auf dem richtigen Weg ist, und ich nicht aufgeben soll. (Das kommt natürlich in Christinas Ton- und Stimmlage besonders gut in meinem Hirn an.)
Ich musste sehen, dass ich unglaublich tolle Freunde habe, die mir den Rücken stärken, wenn ich es selbst gerade nicht kann. 
Und das, das macht in meinen Augen einen unperfekten Lehrgang mit viel Stress perfekt - und genau richtig.
Da ich es in letzter Zeit mit meinen Ansprüchen etwas übertrieben hatte, scheint es mir richtig, diesen Text als kleine Hommage an die Unperfektheit, die Gelassenheit und das Genießen zu verfassen.
Mehr davon in 2018, bitte! :-)

Madeleine, Dexter und Christina © Lehrmeister Pferd
Danke an die Teilnehmer und Zuschauer, die trotz des kalten Wetters und Schneewarnung nach Hatzenbühl gekommen sind, um gemeinsam mehr zu lernen.
Danke an die weltbesten Helfer, die im Hintergrund den Lehrgang rundum gemeistert haben.
Danke an unseren tollen Fotografen, der den ganzen Tag im Einsatz war und wirklich schöne Fotos gemacht hat.
Danke an Friedi, die sich zudem als Christina-Assistenz bereit gestellt hat.
Danke an Tivo, der mir auch wenn es schwierig wird, noch versucht zuzuhören.
Und: Danke an Christina für die wundervollen Reminder, den lehrreichen Tag und immer genau die richtigen Worte.
Auf viele weitere Kurse :-)