Mittwoch, 6. September 2017

Spontaner Kurs mit Christina Wagner in Ranstadt

Wir schreiben Dienstag - ich lese einen Beitrag über einen anstehenden Kurs mit Christina Wagner am Wochenende auf dem Wernershof in Ranstadt. Ich drücke "Gefällt mir". Schließlich ist das toll und ich wünsche den Teilnehmern sehr viel Spaß. Ca. 2h später erhalte ich eine Benachrichtigung über einen Kommentar zu diesem Beitrag - von Christina. Ob ich nicht Lust und Zeit hätte, sie zu fahren.
Ehm helloooo, sowas von!
Gefragt, gesagt, geplant - Christina-Assistenz aka Anja und Christina machen sich also auf den Weg nach Ranstadt. (Und verpassen natürlich die Ausfahrt…)

Der Kurs selbst drehte und wendete sich um mentale Bilder. So begann schon die Theorieeinheit mit den 4 aktiven Teilnehmern und 4 Zuschauern mit einer kleinen Liebeserklärung Christinas an gute mentale Bilder und die Verbindung, die sie schaffen können.
In einer Welt, in der Ablenkung und Schnelllebigkeit zur Normalität geworden sind, ist es geradezu eine hohe Kunst, achtsam im Moment zu leben und zu sein. Pferde sind da von Natur aus ganz gut darin, haben sie schließlich nicht einen so hervorragenden kognitiven Apparat wie wir Menschen, der dazu fähig ist, sich sowohl Vergangenes absolut lebendig wieder vor Augen zu führen, als auch die Zukunft zu antizipieren.
Dennoch leben wir im Heute und sollten dies auch bestmöglich tun. Begleiten werden uns gewiss unsere vierbeinigen Lehrmeister auf diesem Weg…

Mit freundlicher Genehmigung des Wernerhofs © Lehrmeister Pferd
Die Praxiseinheiten möchte ich hier gar nicht bis zur Unendlichkeit vertiefen, denn spannenderweise - trotz sehr unterschiedlichen Pferd-Mensch-Paaren - blieben die genutzten Werkzeuge recht konsistent die gleichen. Allesamt schwankten gemeinsam, versuchten Gleise für einen guten Zirkel zu finden, sprachen über Respekt und die Notwendigkeit Zuzuhören und fühlten stets in sich selbst hinein. Nur die Ebene variierte, auf der "gearbeitet" wurde. (Ich weiß nicht, ob man das bei der ganzen Leichtigkeit und Freude wirklich als Arbeit bezeichnen kann. Glaubt mir, es ist so schön mit anzusehen!) Mal war es die mentale Ebene, die wieder in ein Gleichgewicht gebracht wurde zwischen Zielstrebigkeit und Leichtigkeit, mal der Körper (menschlich und pferdisch) dem in ein physisches Gleichgewicht verholfen wurde.

Mit freundlicher Genehmigung des Wernerhofs © Lehrmeister Pferd
Besonders spannend zu beobachten war hier ein Pferd (s. Bild oben rechts und hier links), das als Folge einer Nervverletzung als Fohlen die rechte Vorderseite nicht richtig entwickeln konnte. Das Bein blieb eine Weile steif, sodass selbst der Knochen sichtbar unterentwickelt war. Nichtsdestotrotz ist es inzwischen sogar schonend reitbar - dank konsequenter Fürsorge und stetem Training. Hier zeigte sich besonders die Macht des Schwankens. Vor und Zurück, Links und Rechts; das sind erstmal die Grundrichtungen. Ganz langsam und immer mit der körperlichen Fähigkeit im Blick, werden die Schwankbewegungen dann vergrößert und so selbst unterentwickelte Körperbereiche immer mehr belastet und trainiert. Über die Bewegung findet der Körper über die Zeit hinweg zu einer guten Balance - ganz schonend, ganz gemütlich, fast schon meditativ. Und vor der jungen Besitzerin dieses Pferdchens möchte ich an dieser Stelle mal meinen Hut ziehen - großartige Leistung, großartiges Gespür, großartiges Team! Hut ab und weiter so!

In der zweiten Theorieeinheit sind wir bei den mentalen Bildern geblieben.
Was macht man denn nun eigentlich, wenn das Pferd nicht rund läuft oder wir selbst nicht rund laufen?
Laut Christina fängt man am besten erstmal im eigenen Kopf an und stellt sich die runde Bewegung vor. In sich selbst und im Pferd. Allein die Ausrichtung der Gedanken bewirkt eine Veränderung - man sollte nur sensibel genug sein, sie auch zu bemerken :-)
Dem Yoga entlehnt nenne ich das Schwanken auch gerne "Moving Meditation" - und wir durften zu zweit nach dem guten Mittagessen gemeinsam schwanken, uns auf uns gegenseitig "eintunen" und erleben, wie die Empathie hochgekurbelt wird. Man schwankt sich tatsächlich wie auf eine Wellenlänge, schaltet den Kopf von Autopilot auf Achtsamkeit und genießt den Moment. Wirklich, ich übertreibe nicht!
Und die Ergebnisse all dieser mentalen Veränderungen konnten wir direkt im Anschluss beobachten:

Mit freundlicher Genehmigung des Wernerhofs © Lehrmeister Pferd
  1. das kleine Pferdchen mit der Nervverletung lief, als hätte es nie eine gehabt (Ok fast, aber deutlich besser),
  2. die kleine Welsh-Stute marschierte munter, flüssig und sehr respektvoll mit ihrer Besitzerin auf einem einmalig runden Zirkel (s. Bild rechts),
  3. der Friesenhengst zeigte uns, dass auch diese mächtigen Tiere sehr wohl vorwärts-abwärts gelöst und entspannt laufen können - trotz Hormonüberschuss und sooo toller Dame vom Nachbarpaddock,
  4. und zu guter Letzt wuchsen die letzten beiden (eine wunderhübsche Pintostute) über sich hinaus und wagten sich an das Zirkeln im Trab - auch mit Sicherheitsstiefeln samt Stahlkappe.
Was bleibt mir da noch zu sagen? 
Hut ab, Danke für den Tag und immer schön an die mentalen Bilder denken ;-)

Ein großes Danke geht wie immer an Christina, insbesondere für ihre ansteckende Leichtigkeit und Freude, ebenso wie an Nicole für die tolle Organisation, die Gastfreundschaft und die Bilder :-)