Montag, 12. Juni 2017

So findest du das richtige Programm für dich und dein Pferd.

Reißerischer Titel, oder?
Es gibt unzählige Richtungen im Reitsport und noch mehr Experten, die einem versprechen, dass genau SIE wissen, was richtig ist.
Vielleicht hat keiner Recht, vielleicht hat jeder Recht - aber wer entscheidet das eigentlich?
Was ich heute loswerden möchte, ist keine Empfehlung, wie man die richtige Sparte im Reitsport für sich findet, und auch keine Anpreisung eines bestimmten Trainers.
Nein, ich möchte euch ganz leise etwas zuflüstern - meine letzte Erkenntnis:
Höre auf dein Pferd. 

Voller Tatendrang bin ich letzten Montag in den Stall gefahren und hatte ein tolles Programm für mich und mein Pferd im Kopf. Gute zwei Wochen bin ich nur zum Putzen und Füttern in den Stall gekommen, da ich mich selbst ganz schön schlapp gefühlt hatte. Und dann, letzten Montag, wollte ich wieder etwas mit meinem kleinen Hafi machen. Gesagt, getan: Pferd geschnappt, Kappzaum drauf und ab auf den Platz. In meinem Kopf war so ein schönes, in meinen Augen nettes Programm entstanden. Nett, weil ich dachte der manchmal lauffaule Haflinger würde sich bestimmt über etwas Arbeit im Stand freuen. Stellung, Biegung und der Versuch ein paar Paraden zu Üben sollten es also sein.
Und was sagte Tivo dazu? Ein recht lautes "Nö" (in Form von absolutem Desinteresse und dem ein oder anderen Hüpfer). Und nein, ich glaube meine Frustration habe ich nun wirklich nicht verbergen können. Doppelt frustriert war ich dann auch noch, weil ich mich so über mich selbst geärgert habe. Teufelskreis.

Nachdem die erste Frustrationswelle bei mir abgeklungen ist, kam ich ins Grübeln. Was lief denn schief? Wieso fand Tivo das Stehprogramm so blöd? Was habe ich übersehen?

Ergebnis:

  1. Ein Plan zu haben ist toll, krampfhaft daran festzuhalten leider nicht. 
  2. Stehprogramm? Dein Ernst?! Das Pony hatte offensichtlich Freude an Bewegung - also nutz es und freu dich mit!
  3. siehe Punkt 2.
Springen wir mal gute 24 Stunden vorwärts. Dienstag kam ich in den Stall, offensichtlich immer noch motiviert (und vor allem motiviert, es besser zu machen), und habe mein Pferd am Knotenhalfter longiert. (Bevor einer schreit: nein, nicht zentrifugiert, sondern einfach ein wenig Schritt, Schritt-Trab-Übergänge um die Kommunikation zu verfeinern und eine Runde Galopp. Das Ganze ging nur 15 Minuten - und reichte auch.)
Und: Pony hatte Spaß daran. Und ich auch. Einfach nur Kommunikation, Bewegung (auch für mich) und Freude am gemeinsamen Sein. 

Um zurück zu meinem reißerischen Titel zu kommen: Das richtige Programm findest du nur, wenn du auf dein Pferd hörst. Unser Hobby bedingt, dass wir keinen Alleingang als Leistungssportler machen können, sondern unser Partner Pferd muss mitziehen. Egal, was unsere Endziele mal sind. Ob wir nun auf Turniere gehen möchten, Ausritte/Spaziergänge im Märchenwald oder Freiheitsdressur (etc.). Wenn unser Pferd das nicht toll findet, werden wir diese Ziele nie erreichen - und wenn doch, dann nur auf Kosten unserer Pferde. 
Auch wenn wir eine klare Linie mit unseren Pferden brauchen (Stichwort: Konsequenz und Konsistenz), so dürfen wir sehr wohl viel Abwechslung und Spaß in unser Training/unsere gemeinsame Zeit einbauen. 

Also meine Lieben - hört auf eure Vierbeiner, habt Ziele und Träume, scheut keine Umwege, und bewegt euch mit dem natürlichen Flow ;) 
So lebt es sich leichter und freudiger!