Donnerstag, 4. Mai 2017

Kursbericht: Bewegungs- und Mentaltraining mit Heike Paul

1. Mai - Yay, Feiertag!
Ausschlafen? Nö.
Reinfeiern? Nöö.
Um 6 Uhr aufstehen? Jaaa!
Wieso tue ich mir das an? Ganz klar: da die liebe Conny Weidenauer zu sich ins Studio nach Rödermark eingeladen hat, um den Tag mit Heike Paul (FN-Pferdewirtin, Bewegungstrainerin nach Eckart Meyners, ... u.v.m.!) zu verbringen!


Teil 1: Einführung in das Bewegungstraining Eckart Meyners (ohne Pferd)

Das Pferd läuft nicht rund? Es ist angespannt, schreckhaft oder faul? Es hat keine Lust auf kompliziertere Lektionen? 
Ja, schonmal dran gedacht auf den eigenen Körper zu schauen? 
Für die meisten dürfte diese Verbindung (leider) ein Aha-Erlebnis hervorrufen. Der Reiter beeinflusst das Pferd und umgekehrt - und harmonisches Reiten ist eben nur möglich, wenn beide an ihrer physischen und psychischen Konstitution arbeiten. Gut, das Pferd hat ja keine Wahl.. aber wir, und wir machen es dem Pferd dadurch leichter. 

Der Tag begann für mich etwas zu früh und mit einer langen Autofahrt (aber dafür freien Straßen), um endlich mal wieder Conny zu sehen und auf die gut gelaunte, strahlende Heike Paul zu treffen. Wir 6 Teilnehmer halfen Heike noch schnell, Balimo-Hocker, Blackrolls in allen Arten, lustige Balance-Kissen und Terra-Bänder aus dem Auto zu laden, und dann ging's auch schon los. 
Das Ziel: unsere eigenen körperlichen und mentalen Fähigkeiten zu optimieren, um eine der Situatin angepasste harmonische und effektive Hilfengebung beim Reiten zu ermöglichen. 

Wir sind in diesem Teil der Reihe nach folgende Bereiche durchgegangen: Anatomie und Physiologie der  Gelenke, Faszien, Muskeln und des Gehirns, sowie die Verbesserung von Koordinations- und Reaktionsfähigkeit und Balancefindung. Zu allen Bereichen gab es ganz ausführliche und wirklich sehr fundierte Erläuterungen,  sowie viele Übungen, um die Gelenke zu lockern, Faszien auszurollen, Muskeln korrekt zu trainieren und die Koordination und Balance zu verbessern. 


Meine Top 3 der Übungen: 
1. Den Schultergürtel ausrollen mit der Faszienrolle
2. Gemeinsam Ball spielen auf dem Balance-Kissen
3. Hüftkippen zur Mobilisation mit dem Balimo-Hocker


Fun-Fact: Ja, bei den Balance-Übungen bin ich tatsächlich zwei-, dreimal umgefallen. Uuups. 


Sprüche aus der Reitschule: 
"Hacken tief" 
"Gerade sitzen" 
"Fußspitzen nach vorne"


Na, auch des Öfteren gehört? Die guten Nachrichten zuerst: ist veraltet. Macht man nicht mehr. Und Heike hat wunderbar erklärt und gezeigt, wieso das so ist. (Z.B.: Die Füße sollen auf 11 und 1 Uhr stehen, damit die Gelenke nicht blockieren und man frei schwingen kann.)
Ich, die mit der FN bis auf Besitzerwechsel im Pferdepass seit Jahren nichts mehr zu tun, bin schwer begeistert von dieser Frau. Mehr sollte es davon geben!

Teil 2: Mentaltraining und Erstellung von Trainingsplänen

Wie erreiche ich eigentlich meine Ziele (mit Pferd) und was mache ich, wenn mich Stress, Angst und Ärger einholen?
Auch hier hat Heike sich viel Wissen und praktische Tipps angeeignet, die sie im zweiten Teil des Kurses mit uns teilt.

Zunächst geht es um das Thema der Zielerreichung, samt Planerstellung und Reflektion. Jeder von uns erarbeitet sich selbst durch Heikes Anleitung seine eigene Vision, seine Ziele und schaut auf seine eigenen Stärken. 
Ganz besonders wichtig sind das zielorientierte Handeln und die wertfreie Selbsteflektion. 
Wer seine Ziele erreichen möchte, kann sich nach jedem Training mittels Ampelsystem zu verschieden Punkten (Motivation, Motivation des Pferdes, Gesundheit, Abläufe, ...) bewerten und entsprechende Verbesserungsmöglichkeiten beim nächsten Training berücksichtigen bzw. optimieren.
Das mag jetzt keine Raketenwissenschaft sein, aber sich diesen Ablauf bewusst zu machen, erscheint mir eine sehr sinnvolle Übung. 

Merke: Wertfreie Selbstreflektion bedeutet, den eigenen Zustand im Training festzustellen, nicht eine Charakterisierung des Pferdes oder des Selbst vorzunehmen. Keine Verallgemeinerungen! Z.B.: "Ich bin so schlecht, ich kann das nie.")

Zu guter Letzt haben wir uns mit Wegen aus der Angst- und Stressfalle beschäftigt. Auch hier haben wir unter Anleitung unsere eigenen Angst- und Stress-Situationen auseinander genommen und mit dem Wissen, wie unser Körper auf Emotionen und Stress reagiert, Möglichkeiten aus der Sportwissenschaft und der Kinesiologie kennengelernt, um für uns einen Plan zu erarbeiten, wie wir der Angst und dem Stress entgegen wirken können.


Top-Tipps bei Stress: 
1. Körperposition verändern (Zurücklehnen)
2. Atmung bewusst in den Bauch lenken
3. An eine schöne Farbe/Szenerie denken (bei mir: Blau/Blaues Meer am Strand)
4. Mantra immer wieder wiederholen
5. Stresspunkte klopfen


Mit dem ganzen Wissen, kann ja gar nichts mehr schief gehen ;-)

Fazit

Wieder mal ein Kurs, der sich einfach absolut gelohnt hat, und ich möchte Heike Paul gerade einfach nur jedem (wirklich jedem!) empfehlen. 
Ich habe einige Übungen für mich mitnehmen können, um meine Schwachstellen im Körper gezielt angehen zu können und auch viel für das Training mit meinem Jungspund gelernt. 

Und wie ich schon in der Abschlussrunde des Kurses feststellen konnte: 
Liebe Heike, ich möchte meinen imaginären Hut vor dir ziehen! 
Danke für diesen Feiertags-Kurs und danke an Conny für die Organisation (und die liebe Signierung ihrer Bücher)! :-)