Sonntag, 26. März 2017

Ich glaube, mein Pferd hat Beruhigungspaste gefressen.

Nein, das ist kein verspäteter Hilfeschrei nach einem missglückten Pferdekauf - das ist pure Ungläubigkeit über die Gelassenheit meines Ponys beim ersten Spaziergang im neuen Gelände!

Ich bin ein Angsthase. So wirklich.
Du brauchst Anregung, was alles schief gehen könnte, wenn du mit deinem Pferd arbeitest?
Ich hätte da ein paar Ideen.
Leider habe ich die auch, wenn ich selbst mit meinem Pferd arbeiten sollte - was mich oft auch sehr hemmt und unsere Beziehung behindert.
Eigentlich ist es doch nämlich das Normalste auf der Welt, mit seinem jungen Pferd zu Fuß die Welt erkunden zu gehen, oder?
Nein, nicht für mich, denn er könnte sich ja aufregen, losreißen, mich verletzen...
Ich glaube, der Punkt wird klar, oder?

Noch vor einem Jahr ist mir Tivo buchstäblich in die Luft gegangen, wenn er sich aufgeregt hatte. Dann kam die wundervolle Cornelia Weidenauer und hat uns mit Fingerspitzengefühl und tollen Ideen gezeigt, dass es auch anders ging. Und dann sind wir umgezogen. Zweimal.
Seit Ende November sind wir jetzt in unserem zugegebenermaßen Traumstall aka Tivos Spielplatz heimisch und - nein, ich habe mich seitdem nicht mit meinem Pferd weiter raus getraut als auf den Platz und zu den Putzplätzen.
Und alle Welt fragte mich, was ich mit meinem Kleinen so mache und vorhabe.

Grr. Weiß ich doch selbst nicht so genau.

Einer lieben Stallkollegin habe ich vor kurzem dann einfach mal richtig ehrlich erzählt, dass ich ein kleiner Angsthase bin und mich auch einfach noch nicht so traue, die Welt erkunde zu gehen.
Und sie hat einfach angeboten, mich mit ihrem erfahreneren und ruhigem Pferd zu begleiten.
Ok, puh, ob das klappt? Ob ihr Pferd wirklich brav ist?

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, und meins auch. Wir haben es nämlich gewagt. Wir waren spazieren. Eine ganze Stunde lang. Vorbei an fremden Pferden, Windrädern aus nächster Nähe, einer Schnellstraße, eingedeckten Feldern und sogar Jesus haben wir getroffen!
Und Tivo? War so grottenbrav und ruhig, dass ich mich wirklich fragte, ob ihm jemand Beruhigungspaste eingeflößt hat. Oder er einen Vorrat geplündert hat.
So ein Ohr kann echt praktisch sein. © Lehrmeister Pferd
Das kann doch nicht echt sein, oder?

Doch kann es; denn es ist: Perfect Preparation.
Es ist ok, wenn man seine Komfortzone erstmal nicht verlässt, und an der Kommunikation auf dem sicheren Platz feilt. Das ist ja auch viel sicherer, als mit einer kleinen Zeitbombe und keinem Plan einfach drauflos zu laufen.
Und dann kann man seine Komfortzone Stück für Stück mit einem guten Fokus und einem guten Gefühl erweitern.
So geht das mit dem gemeinsamen und entspannten Lernen!
Danke Tivo für diesen wunderschönen Spaziergang bei dem wunderschönen Wetter und vielen lieben Dank an meine Stallkollegin und ihrem Pferd für die wunderbare Begleitung :-)

P.S.: Das Bild ist zwar vor ein paar Tagen entstanden, passt aber hervorragend zum Thema Gelassenheit: Pferd geparkt und Ohr als Aufhänger missbraucht. Tiefenentspannt. Ich liebs <3.