Mittwoch, 1. März 2017

"Ein Streicheln zwischen den Augen geht direkt ins Hirn." (Kursbericht Christina Wagner in Pforzheim)

Wenn du um 5:25 Uhr sogar noch vor deinem Weckerklingeln die Augen aufmachst, weißt du, dass die Energie der Aufmerksamkeit folgte und du dich wie ein Honigkuchenpferd auf einen tollen Tag mit Christina freust.
Nach dem letzten Kurs in Gießen fragte sie mich, ob ich Lust hätte, sie zu einem neuen Kurs in Pforzheim zu fahren - ein Blick in den Kalender und ein "Klar!" folgten prompt.
Mit Sonnenschein im Himmel und Sonnenschein auf dem Beifahrerplatz machten wir uns also auf den Weg.
Neuer Stall, neue Teilnehmer, gleiche tolle Atmosphäre und garantiert 500% Lernen.

Der Morgen begann mit einer Theorieeinheit, in der Christina u.a. betonte, dass wir nicht vergessen dürfen, dass die Zeit mit unseren Pferden unser Hobby ist - und Hobbies sollen und dürfen Spaß machen.
Dementsprechend war unser Ziel, mit Freude und Leichtigkeit zu einer konstruktiven Kommunikation zwischen Zwei- und Vierbeiner zu gelangen.
Für mich ganz besonders spannend und passend war, dass die 5 Teilnehmer allesamt neu im Horsemanship und/oder neu in der Akademischen Reitkunst waren. Wir sahen also ganz viele Neubeginne und hörten viele grundlegende Erläuterungen von Christina.
Konstruktive Kommunikation (und Kritik) beinhaltet, dass wir unsere Emotionalität verlieren und unsere Souveränität neu entdecken, indem wir die Qualitäten eines Horsemen beachten und vertiefen:
Fokus, Feeling, Timing und Balance. 
Ab heute stellen wir keine Fragen mehr, ohne auch eine Antwort zu fordern. Und wir würdigen die Antworten unserer Pferde mehr. Denn: "Ein Streicheln zwischen den Augen geht direkt ins Hirn." (Psycho-Klugscheißer-Fakt: Verhalten passiert immer nur in Anwesenheit von Verstärkern. Oder wie Christina eben sagt: "Im Grunde straucheln wir alle nur für Lob und Anerkennung.")
In der Anwendung führt das dann dazu, dass die Teilnehmer ihre eigentlichen Ziele in ihren ersten 30 Minuten Praxis erreichen und dann nachmittags, in der zweiten Einheit, über sich hinaus wachsen. 
Hochspannend zuzusehen sag ich euch!
Und Christinas Energie, die merkt man nicht nur, man kann sie auch "sehen": alle 5 Pferde, die ja unterschiedlicher kaum sein könnten, sind wie magisch angezogen von ihr. Sie können kaum die Ohren und Augen von ihr wegnehmen. Einfach großartig.
In der zweiten Theorie-Einheit durften die Zweibeiner an Christina ihren Fokus erproben - und erleben, wie man auf die gute alte "Antihaltung" reagiert (Wer hat sie schon nicht einmal selbst erlebt oder sogar selbst gehabt?). "Sei smarter als dein Pferd und denk dran: "Es hat noch nie länger als zwei Tage gedauert.", sagte sie da fröhlich. Hach.


Mehr zum Thema Geduld und Gelassenheit gibt es übrigens auch hier bei Herdis Hiller zum Nach-/Weiterlesen.


Noch während der zweiten Praxisrunde strahlt mich eine Teilnehmerin vom Bandenrand an und sagt: "Christina ist einfach toll. Wie sie unterrichtet, so anschaulich und klar. Einfach toll." Jaaaa, dem kann ich nur zustimmen. 
Am Ende des Tages verlassen wir den Hof strahlend und hinterlassen 5 beflügelte Pferd-Mensch-Paare, die "noch Wochen von diesem Kurs zehren". 
Im Auto gab es dann noch ein kurzes Fazit: Der Umgang mit Pferden ist 30% Technik und 70% Denken. 
Danke Christina, dass du mich mitgenommen hast (bzw. ich die "Christina-Assistenz" mimen durfte), dass du uns alle inspiriert hast und mit Freude und Leichtigkeit ein Stück weiter auf unseren Wegen gebracht hast!


Funfact am Ende: Christina hatte mir mal erzählt, dass sie sich bei manchen Schülern den Mund fusselig geredet hat über Brustkorbrotationen und der "Klick" erst bei einem Seminar mit Hanna Engström kam. (Das nächste ist übrigens im Juni - Details bei Christina auf der Homepage.) Bis Samstag waren sie ebenfalls ein kleines Rätsel für mich. Aber da es bei Christina nur anatomisch gute Arbeit gibt, hat sie selbstverständlich sich auch nochmal über diese ausgelassen.
Und siehe da: Klick. Ich habe es verstanden.
In 1-2 Jahren wird mein Tivotier es dir auch danken, liebe Christina!