Montag, 31. Oktober 2016

Wie man sein Pferd für sich gewinnt.

Ich stehe am Paddockeingang und bevor ich überhaupt rufe, schaut mich Tivo schon an. Freudig und bereit, im Schnellgalopp zu mir zu kommen, sobald ich nur rufe.
Er schlüpft freudig ins Halfter, folgt mit beschwingt Richtung Stall und freut sich auf unsere gemeinsame Zeit. Ganz egal, was wir jetzt tun, er ist dabei. Halle? Kein Ding. Platz? Kein Ding. Raus ins Gelände? Kein Ding!

Zu gut um wahr zu sein? Ja, aktuell schon. Tivo tut nichts von dem, was ich gerade beschrieben habe. Ok fast nichts, er schaut mich schon an, wenn ich auf ihn zulaufe, aber er würde nie die 200m zum Paddockeingang im Schnellgalopp zu mir kommen. Zumindest noch nicht.
Aber wie gewinnt man denn so ein Pferd für sich? Wie genau erreicht man es, dass dieses unabhängige Tier sich so freut, einen zu sehen, dass es wiehert und freiwillig zu einem kommt?

Sicherlich nicht, wenn man die gemeinsame Zeit nicht schön gestaltet.
An anderer Stelle hatte ich beschrieben, dass Tivo sicherlich energiesparend durchs Leben geht und mir kam dazu die Tage ein Folgegedanke. Was, wenn Tivo nur deshalb gerade einen auf Chef in seiner neuen Gruppe macht, um an die energiesparendste Position zu kommen?
Um nicht verjagt zu werden, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Muskeln verkrampfen (ihr erinnert euch: PSSM).
Und was macht das mit ihm? Tivo wirkt so souverän. So eigenständig.
So "Ich-brauch-dich-nicht(-Zweibeiner)".

Autsch. Das tut weh.
Aber nur ein bisschen.
Die Erkenntnis könnte der Schlüssel zu sein, wie ich Tivo erreiche.
Indem ich ihm einen Ruhepol gebe. Eine Richtung. Sicherheit.
Indem ich eine gute Chefin bin. Ohne Zuckerbrot und Peitsche.
Ich muss ihn nicht einschüchtern, denn dann wendet er sich einfach ab. Ich muss nicht mein Revier markieren und ich muss ihm nicht zeigen, wer die Hosen anhat.
Aber ich muss ihm zeigen, dass einen guten Plan habe und ihn sicher durch diese Welt führen kann. Ich muss ihm zeigen, dass auf mich Verlass ist.
Ich kann ihm Stress abnehmen, wenn er sich an mich anlehnen kann. Denn dann zeige ich ihm, dass ich ein guter Partner bin.
Einer, der versteht, ihn nicht durch die Gegend jagt, und den besten Weg kennt. Um diesen dann gemeinsam mit ihm zu gehen.
Diese Lektion à la Tivo ist definitiv eine bittersüße, aber sie erleichtert. Weil sie mir viel Stress nimmt. Weniger Erwartungen, mehr Zuhören und mehr Gemeinsamkeit.
Und definitiv kein "in den Senkel stellen". Denn dann geht Tivo einfach.
Und ich will ihn bei mir.
Projekt "Zusammen" startet genau jetzt!

Am Samstag war ich bei dem Tagesseminar mit Christina Wagner in Gießen - Kursbericht folgt!! :)