Dienstag, 18. Oktober 2016

Und Putzen kann doch schön sein.

Seit ich Tivo habe, habe ich meistens ein hampelndes Pferd vor mir, wenn es ums Putzen geht. 
Ganz ganz selten habe ich ihn mal ruhig, genießend und friedlich erlebt. 
Und wenn es nicht so war, dann habe ich geschimpft. Das Pony hat ja schließlich brav zu sein und gefälligst seine Hacken nicht zu bewegen. 
Aber nun gut, dann putz ich halt schneller, wenn es so schlimm ist. Kurz und schmerzlos. 

Falsch gedacht, meine Lieben. Schon seit Wochen frage ich mich ganz ehrlich, ob es Tivo überhaupt mit mir gefällt. 
Nein, keine Sorge, jetzt kommt nicht gleich eine Verkaufsanzeige. Meinen Tivo gebe ich nicht her. 
Aber ich muss ehrlich sein: nein, ich glaube nicht. 
Jetzt, wo ich diesen Text schreibe, komme ich gerade mit sehr gemischten Gefühlen aus dem Stall. 
Wundervoll, da er doch tatsächlich das Putzen genossen hat. Und gleichzeitig voller Scham, da ich jetzt gerade all das sehe, was ich bisher falsch gemacht habe, da ich nicht zugehört habe. 
Ich habe immer über ihn hinweg entschieden, und seine Hampeleien als Ungehorsam gewertet, anstatt als flehende Bitte, sanfter zu sein. 
Sich mehr Zeit zu lassen. 
Freundlich anzufragen, ob ich ihn bürsten darf. 
Ihn wieder streicheln mit der Bürste.
Sanft über sein Fell hinweg gleiten. 

Mein leuchtender kleiner Stern © Lehrmeister Pferd
Heute tat ich das - und Tivo hat seine Hufe nicht einmal in 15 Minuten bewegt. Sogar mir alle Hufe brav zum Auskratzen gegeben. 


Ich könnte vor lauter gerade einfach weinen. Weil ich so blöd war und weil ich endlich sehe. 
Und das Schlimmste ist: Tivo ist so eine gute Seele, er wird mir verzeihen. Das und noch so viel mehr. 

Leute, hört mehr zu. Für diese wunderbaren Engel - auch wenn sie manchmal wie Bengel wirken.




Ich bin nicht alleine mit solchen Erkenntnissen. Zum Beispiel kennt auch Anna von Pferde-Schule.net solche Situationen und reflektiert diese gerne, um etwas daraus zu lernen. Den Beitrag zur ihrem Erlebnis könnt ihr hier bei ihrem Blog lesen. Viel Spaß!