Montag, 4. Juli 2016

Warum sollten Fehler unbedingt im Unterricht auftreten?

Ich bin ein Mensch, der am allerliebsten Lob hört. Ich brenne richtig danach, gesagt zu bekommen, was ich gut mache. Für mich ist es wahnsinnig unangenehm, wenn mir gesagt wird, dass ich etwas nicht richtig, nicht gut mache. Was natürlich ziemlich doof ist, wenn man im Unterricht natürlich (auch) das anschauen muss, was nicht so gelingt, damit man es besser machen kann.
Für mich ist diese Unterrichtssituation mit Conny ziemlich neu, da ich mit meinem Nato eigentlich nie  richtig unterrichtet wurde. (Das Pony hat mich zu 90% erzogen.)
Jetzt mit Tivo weiß ich aber, dass das so nicht mehr geht. Ich brauche Hilfe. Ich brauche Anweisung. Ich brauche Unterricht.



In meinem letzten Post hatte ich schon angeschnitten, dass in meiner letzten Unterrichtsstunde etwas spannendes passiert ist. Jetzt möchte ich diese Situation genauer beleuchten. Meine Aufgabe war es, Tivo im Trab über eine Stange zu schicken. Für ein fast 3-Jähriges Pferd, mit dem noch nie so etwas gemacht wurde, ist das definitiv eine große Aufgabe. Die Woche zuvor haben wir ihn schon im Schritt über die Stange longiert.
Tivo wollte nicht. Tivo hat sich in jeder Runde kurz vor der Stange zu mir umgedreht und mich ziemlich fragend angeschaut. Ich habe dann erstmal einfach den Druck erhöht, um ihn weiterzuschicken. Allerdings war ich nach dem 4. oder 5. Mal echt etwas sauer, da ich wirklich dachte: "Mensch, jetzt mach es doch einfach!". Da bin ich also in meine eigene Ungedulds-Falle getappt! (Ein Insider vom Tageskurs mit Christina Wagner am Samstag in Gießen: "Na, ob das so schlau ist?" ;) - Kursbericht folgt!!)
Nein, es ist natürlich alles andere als schlau und fair dem Pferd gegenüber. Und genau hier war ich froh, dass Conny einfach am Rand steht und mich fragte, ob ich gerade wütend werde. Und dass ich hier auch ehrlich ja sagen kann - trotz Verlegenheits- und Schamgefühlen, die ziemlich unvermeidbar sind. Und was macht Conny? Sie versteht, sie analysiert für mich und mit mir, sie hilft mir zu verstehen. Sie gibt ein weiteres Teil für meinen Werkzeugkasten, damit ich in Zukunft nicht mehr aus Planlosigkeit wütend werde.
Der Trick: Es ist ok, wenn Tivo nicht über die Stange geht, aber dann bekommt er (mehr Arbeit). Rumdrehen, den Zirkeln nochmal in die andere Seite komplett zurücklaufen, auf der Seite nochmal probieren - mit gleichem Problem. Also nochmal umdrehen, nochmal zurück, nochmal probieren. Meine Emotionslage? Absolut ruhig. Ich weiß ja jetzt, was ich sinnvolles ich tun kann. Und Tivo? Dem hat man richtig angesehen, dass ihm das nach 5 Runden zu doof wurde und er ist über die Stange getrabt. Selbstverständlich wurde er dafür sofort ausgiebig gelobt und hat eine Pause bekommen - zufriedenes Pony in 0,05 Sekunden :) !
Was lerne ich daraus? Ich bin froh, wenn meine eigene Unfähigkeit im Unterricht hervortritt und ich mit Conny darüber reden und daran arbeiten kann. Ein guter Trainer findet einen Draht zu seinem Trainee und die richtigen Worte, um auch Unangenehmes anzusprechen.
Wir lernen am besten, wenn wir ein Problem haben und darüber eine Weile nachdenken müssen. Der Lerneffekt (auch manchmal Aha-Effekt) ist hier am größten. In dem Fall: auch fürs Pony.