Montag, 25. Juli 2016

Muss es eigentlich immer Reiten sein?

Wenn man unsere Pferde fragen würde, würden sie sicher sagen, dass es auch viele andere schöne Dinge gibt...

Das größte Glück der Pferde, ist der Reiter auf der Erde! (?)

Tivo wird bald 3 Jahre alt, was bedeutet, dass die gemeinsame Erfahrung des Reitens näher rückt.
Schon seit ich Tivo habe, bin ich regelmäßig von Reiterfreunden und Nicht-Reiterfreunden gefragt worden, ob ich ihn denn schon reite (eher die Nicht-Reiterfreunde) bzw. wann ich anfange (eher die Reiterfreunde).
Meine Standard-Antwort lautet: "Dann, wenn es sich richtig anfühlt."


Versteht mich nicht falsch, ich bin immer gerne geritten und ja, ich vermisse es auch. Aber ich vermisse nicht das Reiten an sich, das sollte ja leicht zu machen sein. Nein, ich vermisse in dieser Hinsicht Nato, die Partnerschaft, das Gefühl der Verbundenheit.
Und wenn ich eins weiß, dann ist es, dass meine eigene wilde Phase abgeschlossen ist. Ich möchte mich nicht mehr auf ein bockendes Pferd setzen (ja, hat Nato auch gemacht) und ich möchte mich keinen unnötigen Gefahren aussetzen. Und um keine Gefahren und echte Verbundenheit zu haben, braucht es sicher etwas anderes, als einen straffen Zeitplan, nach dem das Pferd eingeritten wird.
Es braucht Kommunikation, Zeit und Vertrauen.
Wenn ich Tivo anschaue, dann fühlt sich allein der Gedanke an Reiten einfach noch nicht richtig an.

In der letzten Conny-Stunde haben wir wieder das Einparken geübt. Check: klappt.
Dann bat mich Conny, auf der Aufsteighilfe herumzuhüpfen, damit Tivo das kennen lernt. Check: klappt auch.
Und dann bat sie mich, einfach nur ein Bein über seinen Rücken zu legen.
Ich wusste in dem Moment nicht mal ganz wieso, aber in mir sagte etwas: Nein. Einfach nein.
So "nein" wie es sonst nur von einem Pony gesagt werden kann.
Da ich nie das Gefühl habe, irgendetwas mit/bei Conny tun zu müssen, was ich nicht möchte, habe ich das auch gesagt. Klar, ist das erstmal verwunderlich, wollen ja auch die meisten Reiter eben reiten. Nach der Stunde haben wir uns nochmal ausführlicher darüber unterhalten und so entstand auch die Idee zu diesem Post. (Am Rande: auch zwischen Lehrer und Schüler braucht es Kommunikation - und wie wunderbar, wenn auch gegensätzliche Ideen thematisiert werden können!)

Muss es denn immer Reiten sein? 

Ich glaube ganz ehrlich: nein!
Das soll nicht heißen, dass ich (pauschal) denke, dass es Pferde gibt, die nicht geritten werden sollten. (Bitte immer Einzelfälle genau betrachten, z.B. bei Krankheit.)
Es soll heißen, dass es sehr wohl Pferd-Reiter-Paare geben darf, die vielleicht nicht so gerne reiten oder gar nicht reiten oder lieber andere Dinge gemeinsam tun.
Diese Entscheidung ist an sich gar nicht schwer zu treffen, aber wisst ihr, was schwer ist?
Der Gruppendruck.
Bei meinem Jungspund ist das noch mit einem Lächeln abzutun, aber reitet mal ein offensichtlich reitbares 13-Jähriges Pferd nicht (Nato). Ja, habe ich gemacht. 1,5 Jahre lang. Hat sich nicht richtig angefühlt. Und ich stehe dazu, dass ein anderer Reiter sich höchstwahrscheinlich keinen Kopf gemacht hätte und es wunderbar gewesen wäre und geklappt hätte. Aber so bin ich nicht, meine Geschichte ist anders - und das ist ok (und gut) so. Als ich irgendwann später in der gemeinsamen Zeit mit Nato wieder geritten bin, hat es sich auch anders angefühlt. Das war kein Kämpfen mehr, es war mehr gemeinsam, mehr Freude - und dafür lohnt es sich auch mal, den Sattel auf dem Halter hängen zu lassen.

Und was macht man mit einem Pferd, wenn man nicht reitet?

Oh wo soll ich anfangen... einfach bei ihm sein, es putzen, es füttern, Bodenarbeit, Spaziergänge, u.v.m.
Also gerade der Punkt Bodenarbeit ist ja wohl unerschöpflich ;)

Und dann gibt es natürlich aber auch die Pferde, die krank sind, und vielleicht wirklich von dem zusätzlichen Gewicht verschont werden sollten. Was macht man mit denen? Siehe den Absatz zuvor ;)

Ein nobler Wunsch am Ende

Was ich mir, stellvertretend für alle Pferdchen da draußen wünsche, ist, dass wir Zweibeiner alle mal besser zuhören lernen - sowohl den Pferden, als auch unseren inneren Stimmen, und die Welt endlich mal so sehen, wie sie ist: kunterbunt. All denen, die andere Wege mit ihren Pferden gehen, wünsche ich viel Mut, Kraft und Einfallsreichtum (auch bei Antworten auf unsinnige Fragen ;)).

Dein Pferd sei zuverlässiger Freund, nicht dein Sklave. (Xenophon)