Sonntag, 17. Juli 2016

Harmonie mit sich selbst

Heute morgen habe ich beim Frühstück die August-Ausgabe der Psychologie Heute gelesen, in der der Hauptartikel um die "Harmonie-Lüge" geht. Kurz und knapp: uns wird immer vorgegaukelt, dass Harmonie super und Konflikte schlecht sind, dass aber gar nicht stimmt. Mich hat das sehr beschäftigt, bin ich schließlich auch ein sehr Harmonie-bedürftiger Mensch und durch Konflikte sofort reizüberflutet und überanstrengt.
Selbst auf der Autofahrt zum Stall ging mir dieser Gedanke nach. 
Dann dachte ich: "Ja klar, Harmonie ist ja auch ein Zustand, keine Eigenschaft."
Hä was?


In der Psychologie unterscheidet man bei Merkmalen zwischen einem Zustand und einer Eigenschaft. Das eine ist situativ variabel, das andere variiert interindividuell (Individuen unterscheiden sich hierdrin), ist aber transsituativ stabil (ein Individuum ist in diesem Merkmal weitestgehend stabil). 

Zurück zur Harmonie: Harmonie ist der Zustand; die Eigenschaft hierzu wäre eher so etwas wie Gelassenheit gepaart mit Problemlösefähigkeiten, denn der Zustand des Harmonie-Gleichgewichts wird immer mal wieder aus dem Gleichgewicht gebracht werden, und viel interessanter ist doch demnach, wieder zur Harmonie zurück zu finden. 
Was braucht es dazu? 
Die Gelassenheit, auch einen unangenehmen Zustand (keine Harmonie) auszuhalten und Fähigkeiten, langfristig gesehen wieder zur Harmonie zurück zu finden.

Für mich spannend ist, dass das nicht nur für Beziehungen zu anderen gilt, sondern auch für uns selbst - quasi die "Harmonie in uns".
Das ist schwierig! Und für manche Menschen ist das noch schwieriger als für andere - wir sind hier alle verschieden.

Ganz spannenderweise habe ich das heute auch bei Tivo beobachten können in der Conny-Stunde. Sobald es schwierig wird, fängt er ab zu "lumpen", wird nervös und hyperaktiv. Es fällt ihm schwer, diesen unangenehmen Zustand auszuhalten. 

Jetzt ist es aber nun einmal so, dass wir irgendwie auch einen Konflikt produzieren müssen, damit wir etwas lernen können. Ein Konflikt kann ja schon einfach etwas neues sein - ein Problem eben. Wir wollen irgendwohin, wissen aber nicht genau wie. Es geht mir in der Arbeit mit Tivo nicht darum, dass er immer perfekt alles macht, was ich anfrage, sondern dass er lernt, auch einfach mal auszuprobieren. 
Die theoretische Grundlage hierzu wäre übrigens Thorndike's "Lernen am Effekt/Erfolg". Wir lernen, wenn wir ein Problem haben. (Bei Tivo kommt diese Gelassenheit hierzu immer mehr ;) Ich merke hier sehr deutlich, dass die Auseinandersetzung die Gelassenheit fördert.)
Hier habe ich eine ganz deutliche Parallele zu mir gesehen: mir fällt das auch richtig schwer. 
Ich mag es nicht, wenn ich etwas (noch) nicht kann und fang (in meinem Fall psychisch) an zu zappeln, anstatt mich auf die Problemlösung zu konzentrieren. Aber das ist wichtig, um zur Harmonie in sich selbst zu gelangen - die Fähigkeit, diesen Zustand wieder herzustellen, aber eben die Konflikte auszuhalten und auszutragen, denn sonst geht die kurzfristige Harmonie auf Kosten von Wachstum.
Was hilft? 
Ach ja, sich damit auseinander setzen. 
Mach ich dann jetzt mal - Ich bin dann mal weg ;)

Danke Conny, für deine tollen Unterrichtsideen, die genau solche Situationen entstehen lassen - nur so lernen wir! (Z.B. so tolle Sachen wie auf dem Bild da!)