Donnerstag, 2. Juni 2016

Sich Zeit lassen.

Eigentlich sind die Devisen "sich trauen" und "sich Zeit lassen" ein bisschen antagonistisch. Wenn man sich traut, lässt man sich ja eigentlich keine Zeit, und wenn man sich Zeit lässt, traut man sich ja irgendwie auch nicht.
Jain. 
Alles im Leben ist doch auch irgendwie ein Projekt. Man möchte etwas bestimmtes erreichen, hat vielleicht eine Vision im Kopf, aber die Schritte dahin sind erstmal nicht klar. Und immer einzigartig. Ein Projekt unterscheidet sich von einer routinierten Aufgabe dadurch, dass es immer neuartig ist. Man kann nie genau das tun, was man beim letzten Projekt auch getan hat. 
Außerdem hat ein Projekt auch immer einen festen Zeitrahmen - ok meistens einen anvisierten, wenn man mal so manche immer noch laufenden (Flughafen-)Projekte bedenkt....
Aber ganz wichtig: man muss sie angehen. Das ist das "sich trauen". Das andere ist: jedes gute Projekt hat eine sehr wichtige Vorbereitungs- und Planungsphase - das ist das "sich Zeit lassen". 
Und genau so ist es mit den Pferden.
Klar, wir müssen die Dinge anpacken, sonst bewegen wir uns nicht auf das Ziel zu, sondern bleiben stehen. Aber gleichzeitig müssen wir uns und unsere Pferde so gut vorbereiten, dass wir nicht auf unvorhergesehene Risiken treffen - und dann uns vielleicht dazu entscheiden müssen, das Projekt "Pferd" aufzugeben. Und das nur, weil der Mensch nicht richtig vorbereitet hat. 


Für mich stand aus diesem Grund mit Nato schon vor ein paar Jahren fest, dass ich ihn erst wieder reite, wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe. Das bedeutete aber, dass ich mit ihm viel Bodenarbeit gemacht habe und viel spazieren gegangen bin. Ich musste ihn besser kennen lernen, um dem Ziel "Reiten" näher zu kommen. Hat auch übrigens funktioniert - nur sehr lange gedauert. Für mich ist das im Nachhinein betrachtet ok, da ich selbst ja völlig im Wachstum war und mich verändert habe. Wir sind zusammen gewachsen. Klar, hätte ich damals schon die richtige Unterstützung gehabt, wäre das sicher schneller gegangen. Hätte, hätte, Fahrradkette.. :)

Und aus diesem Grund kann ich auch nur jeden unterstützen, der sich Gefahrensituationen mit seinem Pferd erstmal anders nähern möchte, als es vielleicht die Allgemeinheit tun würde. Würde sich die Allgemeinheit auf ein bockendes Pferd setzen, so kann ich denen nur beipflichten, die sich entscheiden erstmal eine gute Beziehung vom Boden aus zu erarbeiten. Während die Allgemeinheit sich auf Tuchfühlung mit Pferd begibt, kann ich die voll verstehen, die sich Nähe sicher erarbeiten möchten. 

Dabei gilt aber: das Ziel nicht aus den Augen verlieren! Kleine Meilensteine setzen hilft und regelmäßig reflektieren, wo man gerade steht!

Mein Ziel ist, aus Tivo einen verlässlichen Partner fürs Reiten zu machen. Meine aktuellen Meilensteine sind dazu: Sicherheit gewinnen bei der Bodenarbeit, Spaziergänge und dass er endlich mal seinen Futter frisst, wenn er soll ... schnäkiges kleines Pony.