Sonntag, 5. Juni 2016

Gibt es die eine große Liebe?


Ja klar, Pferde sind definitiv meine Leidenschaft und ich liebe meine Pferde auch, aber wenn ich von der großen Liebe rede, dann meine ich die zwischen Menschen. Und was haben jetzt die Pferde damit zu tun?, werden sich einige fragen. Die haben mir sehr die Augen geöffnet in Bezug auf dieses Thema.
Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich auf "den Richtigen" warte. Seit ich Tivo habe, muss ich bei sowas immer ein wenig grinsen. 
Früher habe ich tatsächlich gedacht, dass es nur eine große Liebe gibt. Ich wollte immer warten auf den Richtigen. Als Scheidungskind ist das vermutlich auch irgendwie verständlich. Ich lebte und lebe immer noch nach dem Prinzip: "Lieber keine Beziehung als eine schlechte". Klar, dass ich da natürlich auch immer viel verpasst habe von dem, was meine Peers so erlebt haben. Aber irgendwo hat es mich auch nicht so gestört, hatte ich doch immer schon viel anderes im Kopf. Zum Beispiel die Vierbeiner. Genauer gesagt: einen. Nato.


Nato war für mich seit er in mein Leben trat immer der Größte. Und vor allem stand fest: für mich gibt es nur ihn. Kein anderes Pferd wird je so sein, wie er für mich ist.
Ich konnte mir nie vorstellen, ein anderes Pferd zu haben - bis er starb. Das war so plötzlich und unvorhersehbar, dass es meine komplette Welt auf den Kopf gestellt hat. Und da ich mit Nato erst kurz vor seinem Tod so richtig auf der Höhe unserer Beziehung stand, war ich am Boden zerstört. Ich dachte, dass das doch nicht alles gewesen sein konnte. 

Wenn man an die eine große Liebe glaubt, bedeutet das auch, dass ein einziges Ereignis oder eine einzige falsche Entscheidung die Liebe für immer aus dem Leben eines Menschen ausradieren kann. Für immer. Bis zu seinem Tod. 
Und nennt mich hoffnungslos, nennt mich optimistisch, nennt mich Disney- und Shonda Rhimes-gestört, aber das kann und will ich nicht glauben. 
Ich will glauben, dass wir immer eine Aussicht haben und dass wir nicht durch eine einzige Entscheidung aller Aussichten beraubt werden können. 

Noch am Abend nach Natos Tod sagte ich laut und deutlich zu meiner Mutter: "Mama, ich will nicht ohne Pferde.". Und damit war es entschieden. Das war es nicht das Ende. Klar, war ich zu diesem Zeitpunkt noch der Meinung, dass es dennoch kein Pferd an denselben Stellenwert schaffen wird, an dem Nato war. Meine Güte lag ich falsch. Mein Tivo ist für mich genauso wichtig, wie es Nato war, und das einzige, was ich bereue, ist, dass die beiden sich nie kennen lernen werden. Ich wünschte, Tivo wäre schon früher in mein Leben getreten. 

Und so haben mich meine Pferde das Wichtigste in meinem Leben gelehrt: es gibt immer Hoffnung und nicht nur einen Plan. Wir müssen die Augen offen halten und uns auf die Wunder des Lebens einlassen. Auf unser Herz können wir hören. 

"On ne voit bien qu'avec le cœur. L'essentiel est invisible pour les yeux." (Le Petit Prince)

Es gibt nicht nur die eine große Liebe - es gibt mehrere.