Dienstag, 19. April 2016

Symptome des Lernens und NHS-Unterricht

Lernen ist ja etwas sehr tolles, aber was oft vergessen wird, ist, dass Lernen nicht geradlinig verläuft. Im besten Falle zeigt eine Lernkurve Plateaus auf, jedoch können sich auch mal Rückschritte zeigen.
Für mich ist ein Symptom, welches ich es jetzt durch den Trainerwechsel erkannt habe, dass meine Gedanken sich überholen.
Ich musste erkennen, dass die Trainerin A (die ich hier nicht namentlich nennen möchte), bei der ich zunächst ein paar Stunden hatte, für mich und Tivo nicht ganz passte. Sie ist Verfechterin des operanten Konditionieren, was natürlich in sich gar nicht schlecht ist, aber eben nur ein Weg der Zusammenarbeit mit dem Pferd. Und Tivo hat mir in der ersten Stunde, die er mit unserer neueren Trainerin, Cornelia Weidenauer, verbringen durfte, ganz deutlich gezeigt, dass ihm ein anderer Weg sehr viel mehr Spaß macht.
Glaubt mir, ich habe mein Pferd selten so begeistert gesehen!


Um was ging es konkret?
Tivo hat mir weiterhin etwas Probleme und Sorgen bereitet. Für mich war die wichtigste Erkenntnis: Ich kann das nicht alleine.
Zudem habe ich gemerkt, dass ich mich mit Trainerin A irgendwie unwohl fühlte. Wie gesagt, ich habe die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen und hatte die letzten paar Jahre praktisch keinen Unterricht, aber dennoch sollte man sich nicht so fühlen, als könnte man wirklich nichts.
Diese Erkenntnis ist aber nicht gegen Trainerin A, denn sie ist definitiv kompetent und arbeitet toll mit verschiedenen Pferden. Meiner Meinung nach hat es einfach zwischenmenschlich zwischen uns nicht so harmoniert.
Hinzu kommt, dass ich schon seit Jahren mit Natural Horsemanship liebäugle, aber bisher keinen kompetenten Trainer finden konnte, der auch zu mir auf den Hof kommt. Somit ist für mich die Konditionierung meines Pferdes als Erziehungsweg zwar plausibel (immerhin studiere ich ja Psychologie), aber einfach nicht ganz meine "Art".
Durch etwas Suchen habe ich nun Conny auffinden können, die doch tatsächlich jeden Freitag zu uns kommt!
Für die erste Stunde hat sie sich wahnsinnig viel Zeit für uns genommen und ist meinem Wunsch nachgekommen, für mich mit Tivo zu arbeiten. Eigentlich hat sie nämlich schon in einem Telefonat gesagt, dass sie das nicht möchte, da das Problem ja zwischen uns liegt. Ab dem Moment war sie mir schon einfach unendlich sympathisch!
Dennoch hat sie die erste Stunde übernommen, was für mich optimal war. Ich konnte einfach Tivo beobachten ohne auf mich achten zu müssen! (Ich bin leider nicht besonders multi-tasking-fähig...)
Ich wünschte, ich hätte es aufgenommen!!
Tivo war ab Minute 0 neugierig, aktiv und richtig freudig. Und ich auch :-)
Mein Credo: Ich will lernen, wie es besser geht. Ich will besser werden.
Ich will kein "artiges" Pferd - ich will einen Freund.

Etwa drei Wochen nach Tivos erster Stunde hatte dann auch ich meine erste. Meine Güte war ich aufgeregt!
Aber das Tolle ist: ich darf das auch kundtun und mein Pferd kurzzeitig mal abgeben! Mir nimmt es Hemmungen, wenn ich auch weiß, dass ich mein Pferd auch ab und zu mal abgeben und nur zugucken darf. Es beruhigt einfach. Und beruhigt traue ich mich dann auch Schritt für Schritt aus meiner Komfortzone heraus.
Die Übungen, die wir gemacht haben, sind an sich sehr banal, erfordern aber viel Aufmerksamkeit (insbesondere des Zweibeiners).
Eine Aufmerksamkeitsübung, eine Abstand-Halte-Übung, Führübungen (rückwärts für mich..) und viele Pausen.
Diese Verbindung zwischen mir und Tivo fühlte sich unglaublich gut an! So da, so verbunden.
Daran will ich weiter arbeiten :-)

Und eine Erkenntnis vom letzten Wochenende, als ich alleine am Putzplatz kurz noch geübt hatte: Mein Tivo kann ja doch an der Hand traben... :-)
Was so Aufmerksamkeitsübungen alles bewirken können....