Freitag, 22. April 2016

Das böse Wort: PSSM

Was ist das?
PSSM steht für Polysaccharid-Speicher-Myopathie, eine bei Typ I autosomal-dominante Vererbungskrankheit bei Pferden. Bei Typ II wird auch eine genetische Veranlagung vermutet, aber konnte bis jetzt noch nicht entdeckt werden.
Bei diesen Pferden ist der Kohlenhydrat-Stoffwechsel gestört, was sich in Lethargie, Steifheit bei Bewegung und im schlimmsten Fall Kreuzverschlag-ähnlichen Schüben zeigt.



Die Erklärung habe ich mal hiervon kopiert: artgerecht (Zugriff: 19.04.2016)

"Was passiert im Muskel eines PSSM Pferdes?Muskelzellen haben an ihrer Oberfläche Rezeptoren für Insulin. Steigt der Blutzuckerspiegel an, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Dieses bindet an die Rezeptoren und sorgt dafür, dass die Muskelzelle jetzt Zucker aus dem Blut aufnimmt. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. In der Muskelzelle wird der aufgenommene Zucker zu einer Speicherform, dem Glykogen umgebaut. Leistet der Muskel Arbeit, wird Glykogen wieder in Zucker zerlegt und der Zucker unter Verbrauch von Sauerstoff zu CO2 und Wasser abgebaut, wobei Energie frei wird. Diese Energie nutzt der Muskel für die Arbeitsleistung. Hat das Pferd die Genvariante für PSSM, sind seine Muskelzellen deutlich sensibler für Insulin. Schon geringe Mengen Insulin führen also dazu, dass vermehrt Zucker aus dem Blut aufgenommen wird. Irgendwann sind aber die Glykogenspeicher des Muskels voll. Bei PSSM Pferden findet man die 1,5- bis 4-fache Menge an Glykogen im Muskel im Vergleich zum Normalwert. Wird das Glykogen dann nicht durch Arbeit verbraucht und stattdessen ständig neuer Zucker nachgeliefert, so kettet der Muskel die Zuckermoleküle aneinander, so dass Stärke entsteht. Diese wird eingelagert und ist damit erstmal „unschädlich“ für die Muskelzelle. Die Stärke kann jedoch nicht mehr zur Energiegewinnung genutzt werden. Der Muskel fällt also in Energiemangel, trotz oder gerade wegen der Überversorgung mit Energie. Krankheitssymptome sind die Folge."


Was bedeutet das?
Grob gesagt: Die Zuführung an Energie und der Energieverbrauch sind möglichst konstant und ausbalanciert zu halten. Kohlenhydrate sollten möglichst vom Speiseplan gestrichen werden, das Heu sollte auch auf den Zucker-/Stärke-Gehalt geprüft werden und das Pferd sollte die Möglichkeit zur ständigen, langsamen Bewegung (hier bietet sich ein guter Offenstall/Aktivstall an) haben. Heu sollte ad libitum zur Verfügung stehen, sofern nicht weitere Problem wie z.B. Equines Metabolisches Syndrom (EMS) auftauchen.
Arbeit sollte auch möglichst gleichmäßig an alles Tagen erfolgen, langsam begonnen werden (Aufwärmphase) und auch langsam beendet werden. Das Training sollte nicht darauf abzielen, ein Muskelpaket zu entwickeln, sondern eher einen Athleten. In meinem Kopf bedeutet das: Ballerina, nicht Bodybuilder.
Mir am Herzen liegt noch, dass die Mineralversorgung ausgeglichen sein sollte. Das letzte Blutbild von Tivo zeigte leider einige Problematiken auf. Auch hier ist aber darauf zu achten, nicht pro forma das Pferd über zu versorgen, sondern individuell auf die Probleme und die Grundversorgung zugeschnitten zu füttern. Außerdem: in vielen Mineralfutterpräparaten ist auch viel Zucker drin. Je nach Pferd kann das zu einem Problem werden...

Wie geht es Tivo damit?
Leider muss ich von einem früheren Post etwas zurückrudern: Ganz so gut geht es ihm damit leider nicht. Viele Symptomatiken sind einfach lange von der falschen Fütterung überdeckt worden. Er läuft zwar dank der Streichung des Kraftfutters nicht mehr steif und springt wieder fröhlich vor sich hin, aber jetzt gibt es andere Dinge, die ihm - zwar milder, aber dennoch - Probleme bereiten, z.B. nasskalter Dauerregen.
Meiner Meinung nach ist einfach auch noch nicht letztendlich gegeben und gesagt, wie Tivo sich mit dem PSSM wirklich schlagen wird in Zukunft, da er 1. noch im Wachstum ist, 2. noch nichts arbeiten muss und 3. nicht richtig eingestellt ist, was Fütterung und Haltung betrifft.
(1.) wird sich in spätestens ein paar Jahren ändern, was bedeutet, dass der allgemeine Stoffwechsel nicht mehr auf "Wachsen" programmiert ist. Er wird vermutlich dann insgesamt etwas weniger Energie brauchen. Die paar Kohlenhydrate zuviel, die er jetzt vermutlich noch halbwegs gut wegstecken kann, könnten in naher Zukunft Probleme machen.
(2.) kann, muss aber kein Problem werden. Der große Vorteil ist: Ich weiß JETZT von dem PSSM und  habe das nicht erst mit Beginn des Anreitens, wenn viele andere Pferde starke Probleme bekommen, bemerkt. Sprich: Ich kann die Arbeit für ihn richtig portioniert beginnen und habe das im Blick, wie es ihm damit geht. Ich kann darauf eingehen. Großer Pluspunkt.
(3.) ist für mich ein größeres Problem, aber von meiner Seite aus. Ich bin selbst Studiumsbedingt nur am Wochenende bei Tivo. Ich möchte die Uni wechseln, weiß aber leider nicht, ob das klappt. Und dadurch steht einfach noch nicht fest, ob Tivo vielleicht zu mir in die Pfalz umziehen wird. Generell ist für mich aber klar, dass Fütterung und Haltung weiter zu beobachten sind, um die richtige Einstellung zu finden.
Klar ist, dass Tivo kein Kraftfutter und möglichst Heu ad libidum erhalten soll. Aber was ist mit der Weidezeit? Wie gut ist die Boxenhaltung (nur nachts und im Winter, bevor hier einer meckert) für ihn? Wie viel Stress bedeutet ein Stallwechsel für ihn? All das sind Dinge, die ich noch nicht definitiv weiß. Gerade aber die letzte Frage hält mich sehr von Hoppla-di-Hopp-Aktionen ab, da Stress (wie ich leider erfahren musste) auch einen Schub auslösen kann. Und das ist das Letzte, das ich möchte.

Grob gesagt laufe ich im Moment mit Argusaugen um mein Pferd herum und bin einfach noch am Optimieren.
Aber das ist einfach mein Job als Frauchen.
Ich werde auch in diesem Punkt weiter berichten, wie sich Tivo entwickelt. Stay tuned!