Samstag, 24. Oktober 2015

Warum es für mich ok ist, dass mein Pferd bestimmt, wann ich in den Stall komme.

Eines möchte ich nun vorab ganz deutlich sagen: Ich bin ICH, und das bedeutet ich habe meine ganz eigene Art und Weise mit Pferden - und vor allem meinem eigenen Pferd - umzugehen. Das muss weiß Gott nicht für Jedermann richtig sein. Und ja, ich bin definitiver "weicher" als manch anderer. Aber nein, mein Pferd tanzt mir nicht auf der Nase herum.
Ich möchte immer, dass sich mein Pferd auf mich freut und gerne mit mir mitkommt. Und sich eben wie ein kleiner Rockstar bei mir fühlt :)

Letzlich hatte ich eine interessante Unterhaltung mit einer Stallkollegin, die sich wunderte, warum sie mich in letzter Zeit eigentlich so selten gesehen hat, da wir eigentlich demselben Cluster angehören. Normalerweise treffen wir uns jeden Abend im Stall. Immer zur gleichen Zeit. Meine Antwort lautete: "Ach weißt du, ich hab frei und kann mir daher frei aussuchen wann ich in den Stall komme. Und ich habe einfach festgestellt, dass es einfach angenehmer ist für Tivo und mich, wenn ich nicht ausgerechnet zur Reinholzeit zu kommen. Ist einfach entspannter."
Ganz ehrlich: es hätte nur gefehlt, dass sie entsetzt die Luft einzieht. Der Blick sagte aus, dass ich eine Schande für strenge Pferdemenschen bin.
So what?!

Das Ding ist: Ja natürlich möchte ich irgendwann egal zu welcher Uhrzeit zu meinem Pferd kommen können und es ist bei mir. Und nicht beim Reinholen oder Futter. Aber mein Pferd ist einfach auch erst 2 Jahre alt und seit einem halben Jahr bei mir. Und wenn ich genau dann komme, wenn er gerne rein möchte und fressen möchte (Hm lecker, Hafer!), dann zeigt er mir das eben. Es ist nicht, als würde er sich partout daneben benehmen, gar nicht einfangen lassen oder einfach machen was er möchte. Aber er ist unkonzentriert und auch leicht hampelig. Und was mache ich dann? Ja richtig, ich muss ihn bitten, das nicht zu tun. Eventuell muss ich auch mal deutlicher werden. Und ja manchmal muss ich auch seeehr deutlich werden. Und dann passiert das, was ich eigentlich einfach nicht möchte: er fühlt sich im schlimmsten Fall in den Senkel gestellt und geschimpft (manchmal muss man leider).
Persönlich finde ich es da definitiv einfacher, meinem Pferd hier entgegenzukommen, wenn ich kann. Das läuft auch ein wenig unter dem Motto "Outsmart your horse".
Ein positiver Nebeneffekt ist natürlich: Wenn ich eine Woche lang jeden Tag zu "guten" Zeiten im Stall war und Dinge mit ihm geübt habe, dann ist er deutlich angenehmer, wenn es mal zu einer "ungünstigen" Zeit nur schaffe. Tivo ist dann einfach deutlich kooperativer.

Außerdem ist es mir wichtig, dass gerade mit jungen Pferden nicht das Ziel mit den heutigen Anforderungen verwechselt wird. Natürlich ist es mein Ziel, dass mein Pferd trotz Futter in seiner Box sich brav putzen lässt. Und es auch genießt. Dafür mache ich die Sache dann auch so kurz wie möglich, um ihn ja auch wieder zu belohnen.
Aber um Ziele zu erreichen muss man einfach die Anforderungen am Anfang herunterschrauben.
Niemand erwartet schließlich von einem Erstklässler, dass dieser schon perfekt eine Kurvendiskussion durchführen kann.

Und auch wenn ich zu meiner lieben Stallkollegin sagte, dass ich gerne Kämpfe und Diskussionen mit meinem Pferd möglichst vermeiden möchte, so meine ich damit nicht, einfach NICHT zu diskutieren. Nein ich meine viel mehr, dass ich versuche keine Diskussionen aufkommen zu lassen. Natürlich setze ich sehr wohl meinen Dickschädel durch, wenn Tivo mich gerade wiederholt fragt, ob ich es ernst meine, dass ich bitte seinen rechten Vorderhuf auskratzen möchte. Und klein beigegeben habe ich genau in unseren ersten gemeinsamen Wochen, da ich aus Unkenntnis der Meinung war, mein Kleiner könnte sein Gleichgewicht noch nicht halten. (Jain. Es ist mehr eine koordinatorische Aufgabe und erfordert Vertrauen, aber der Hampelheimer kann sehr wohl auf drei Beinen stehen. Zwei reichen auch wenn es besonders lustig zugehen soll.)

Und jetzt? Jetzt gehe ich außerhalb der Reinholzeit zu meinem Hottehüh. Ätsch Kritiker!