Sonntag, 26. April 2015

Wer führen will, muss lernen.

Inspiration kann überall her kommen - auch aus einem Newsletter einer Kirche. 
Diese Weisheit hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt. 
Eigentlich dachte ich ja, dass Nato mir schon extrem viel beigebracht hat und ich nun an Tivo weitergeben werde - weit gefehlt. 
Es ist immer noch Tivo, der mich lehrt. 
Er lehrt mich zuzuhören, auf ihn zu achten (auch auf seine Bedürfnisse) und ihn nicht in ein Schema F zu pressen. 

Am Samstag war ich mit einer Stallkollegin und ihrem Pferd grasen. Soweit alles gut, Tivo achtet selbst beim Grasen noch auf mich und lässt sich dirigieren. Als wir wieder zurück wollten jedoch die Überraschung: Tivo schlägt mit dem Kopf, trabt los und mein Herz rast, da ich Angst hatte er reißt sich gleich los. Das ist eins der letzten Dinge, die er lernen soll: Dass er sich losreißen kann. Ich habe meine Stimme gehoben und ihn angehalten, meiner Freundin kurz Bescheid gegeben und wir sind langsam und vorsichtig, wie auch bedacht weiter. Tivo lief ruhig weiter, also habe ich ihn kräftig gelobt. Kurz vor dem Paddock das Ganze noch einmal. Selbes Spiel. Selbes Ergebnis. Auch gut.
Mich hat das aber nicht so ganz losgelassen. Warum hat er das gemacht? Meine Freundin vermutete, dass er Tiere im Hintergrund wahrgenommen hat. Kann sein, dachte ich. Aber trotzdem: da steckt doch mehr dahinter. 
Heute sind wir noch einmal zum Grasen los. Zu viert. Und ich habe mit allen auch darüber gesprochen. Auch, dass ich die Steile für sein Verhalten im Verdacht habe. Ein junges Pferd ist eh schon schlecht ausbalanciert und er noch mehr, da er aufgrund der Kastration ein wenig läuft, als hätte er einen Stock im Allerwertesten. Irgendwer (Ich weiß leider einfach nicht mehr wer) kam auf die Idee, doch einfach Zickzack den Weg herunterzulaufen. Super Idee dachte ich! Und siehe da: hat hervorragend geklappt. 

Es ist nicht immer Unwille, wenn ein Pferd sich nicht so verhält, wie wir es möchten. Aber es als Unwille abzutun und ihn nur zu schimpfen wird sicherlich nichts ändern. 
Albert Einstein sagte schon: Es ist Wahnsinn, immer das Gleiche zu tun, aber ein anderes Ergebnis zu erwarten. 
Tivo hätte mit Sicherheit heute wieder mit dem Kopf geschlagen und versucht los zu traben, wenn ich das Gleiche getan hätte wie gestern. Aber ich habe ihm zugehört. Ich habe verstanden. Ich habe etwas verändert. 

Ich würde mir wünschen, dass mehr Pferdebesitzer auf ihre Vierbeiner hören und ihnen das Leben angenehm machen würden, denn meiner Meinung nach gehört das zum guten Ton. 
Ich bin nicht wahnsinnig, mein Pferd ist es aber definitiv auch nicht. Und das ist eine ganz wichtige Lektion.